Neues von der bundesweiten Gedenkstättenkonferenz
 
Eine bundesweite Initiative zur Gedenkarbeit ist die Gedenkstättenkonferenz. Sie ist für die Gedenkarbeit und ihre Vernetzung wichtig. Da sie noch nicht so bekannt ist, soll sie hier vorgestellt werden. Hierzu besteht umso mehr Anlass, als sie auf ihrer letzten Tagung im Dezember 2018 eine wichtige Resolution zur "Verteidigung der Demokratie" verabschiedet hat.
 
Diese Konferenz ist ein Zusammenschluss dreier in der Gedenkarbeit engagierter Gruppierungen/Organisationen. Das ist einmal das "Forum". Dies ist wiederum ein Zusammenschluss, und zwar der "Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkstätten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland", zum anderen der Landeszentralen für politische Bildung und schließlich von Vertretern der "großen KZ-Gedenkstätten. Deren Vertreter und Delegierte treffen sich einmal im Dezember eines Jahres, meist in einer Gedenkstätte. Unsere LAG ist durch das "Forum" an der Gedenkstättenkonferenz beteiligt und wird vertreten durch die Mitglieder unseres Sprecherrats Dr. Franz-Josef Ratter, Deidesheim, und Eberhard Dittus, Neustadt a.d.Weinstraße.
 
Die bundesweite Gedenkstättenkonferenz fand 2018 zum 7. Mal statt, und zwar vom 12. bis 14. Dezember 2018 in der NS-Dokumentationsstätte für Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide.
 
Thema der Konferenz war: "Nie wieder oder schon wieder?". Zu dem Untertitel: "Die Verschiebung der Normalität in der deutschen Gesellschaft nach rechts und die Gedenkstätten für NS-Opfer" erörterte die Konferenz insbesondere Themen "gegen Rechts". Breiten Raum nahm dabei der Umgang mit Besuchern und Gruppen mit nationalistischem Hintergrund an Veranstaltungen/Besuchen  von Gedenkorten und Gedenkstätten ein.
 
Die Teilnehmer der Konferenz verabschiedeten einstimmig einen Aufruf zur "Verteidigung der Demokratie". Diesen Aufruf halten wir angesichts der gegenwärtigen Bedrohungen unserer Demokratie für so wichtig, dass wir ihn nachfolgend im Wortlaut dokumentieren:
 

Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen in Deutschland

rufen auf zur Verteidigung der Demokratie

 

Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt nehmen als Orte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit einer verbrecherischen Vergangenheit eine wichtige Bildungsaufgabe für die Gegenwart wahr. Ihre Arbeit folgt der aus den Erfahrungen des Nationalsozialismus gewonnenen Verpflichtung unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (Art.1 GG).

Lernen aus der Geschichte der NS-Verbrechen heißt auch Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen, wenn eine nachhaltige Schwächung unserer offenen Gesellschaft droht. Wir wissen aus der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, dass Demokratien mit Standards wie dem Grundgesetz, den europäisch und international verankerten Menschenrechten, Minderheitenschutz, Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung mühsam erkämpft wurden und fortdauernd geschützt und ausgestaltet werden müssen.

Immer offener etablieren sich in der Gesellschaft Haltungen, Meinungen und Sprechgewohnheiten, die eine Abkehr von den grundlegenden Lehren aus der NS-Vergangenheit befürchten lassen. Wir stellen mit Sorge fest:

- ein Erstarken rechtspopulistischer und autoritär-nationalistischer Bewegungen und Parteien,

- eine verbreitete Abwehr gegenüber Menschen in Not sowie die Infragestellung und Aufweichung des Rechts auf Asyl,

- Angriffe auf Grund- und Menschenrechte,

- die Zunahme von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit,

- eine damit einhergehende Abwertung von Demokratie und Vielfalt.

Hinzu kommt ein öffentlich artikulierter Geschichtsrevisionismus, der die Bedeutung des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus als grundlegende Orientierung der deutschen Gesellschaft in der Gegenwart angreift und durch ein nationalistisches Selbstbild ersetzen möchte.

Diesen aktuellen Entwicklungen treten wir mit unserer täglichen Arbeit in der historisch-politischen Bildung entgegen. Aber sie erfordern darüber hinaus politisches und bürgerschaftliches Handeln. Wir appellieren daher an die Akteure in Politik und Gesellschaft, das Wissen um die historischen Erfahrungen mit ausgrenzenden Gesellschaften wie dem Nationalsozialismus für die Gegenwart zu bewahren und sich für die Verteidigung der universellen Grund- und Menschenrechte einzusetzen.

 

Verabschiedet von der 7. Bundesweiten Gedenkstättenkonferenz am 13.12.2018

Für weitere Informationen und Rückfragen können Sie sich direkt wenden an:

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