Arbeitskreis „Judentum im Wasgau“

Erhaltung der Judentümer im Wasgau – eine Aufgabe des Arbeitskreises „Judentum im Wasgau“
Über zweihundert Jahre haben Juden kulturell, politisch und ökonomisch unsere Region geprägt. Ab 1933 wurden alle Juden aus ihrer Heimat verjagt und viele ermordet. Fast nichts erinnert mehr an sie. Sie sollen nicht vergessen werden. Einen Holocaust darf es nie wieder geben. Deshalb setzen wir uns seit über zehn Jahren für die Erhaltung der Judentümer im Wasgau ein.
 1. Busenberg: Jüdischer Friedhof Busenberg bei Dahn, Landkreis Südwestpfalz
Die zentrale Begräbnisstätte der Juden im Wasgau liegt auf der Busenberger Gemarkung bei der Lehmgrube an der B 427 in Richtung Bad Bergzabern. Über 150 Jahre diente der Friedhof der Beerdigung jüdischer Toter aus den vier Wasgau-Dörfern Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal, zum letzten Mal 1979. Heute ist er ein steinernes Zeugnis des vernichteten
pfälzischen Landjudentums. Der Jude Benjamin Lefy hat am 27. März 1824 den Judenkirchhof von Josef Barthole gekauft. Damals hatte der Friedhof mit Zufahrt eine Fläche von insgesamt 1.866 qm; heute sind es 2.580 qm. Der Friedhof ist harmonisch in die Wasgaulandschaft eingebettet und wird von einer Hainbuchenhecke umgeben. Baumgruppen beschatten noch 285 Grabsteine, die in 25 Reihen museal aufgestellt sind. Die Ruhe der hier Bestatteten wurde immer wieder gestört. Im Sommer 1938 wurden fast alle Grabsteine umgeworfen und viele zerstört. In den Jahren 1978, 1994 und 1997 folgten drei weitere schwere Schändungen durch Neonazis. Grabsteine wurden umgeworfen, zerstört und mit NS-Parolen besprüht. Die Gemeinde Busenberg hat nach den Schändungen immer wieder mitgeholfen, dem Friedhof eine würdige Form zu geben. Eine erste umfassende Renovierung im neuen Teil hat 1955 stattgefunden. Im Jahre 1972 wurden auf dem neuen Teil alle Grabsteinfassungen entfernt und eine Rasenfläche angelegt. 1981 entfernte man die noch vorhandenen Grabsteinfassungen und Sockel auch im alten Teil, um eine leichtere Pflege zu erreichen. Der Gang über den jüdischen Friedhof Busenberg dient nicht nur der Betrachtung und Besinnung, sondern ist zugleich auch ein Gang durch die Kunstgeschichte und die verschiedenen Architekturstile. Die Steine des frühen 19. Jahrhunderts im alten oberen Teil sind noch ganz der Tradition einer einfachen und schlichten Grabsteingestaltung verhaftet. Wir finden aber auch hervorragende Steinmetzearbeiten in biedermeierlicher, klassizistischer oder neoorientalischer Ausprägung. An vielen Grabsteinen sind heute noch die Signaturen der Steinmetze Würschmitt und Sanwald aus der Bergzaberner Bildhauerschule zu finden. Ein Besuch des jüdischen Friedhofs ist nicht nur für Schulklassen und Jugendgruppen, sondern in erster Linie für Erwachsene eine gute Möglichkeit, den tabuisierten Teil unserer Heimatgeschichte anschaulich, erfahrbar und erlebbar zu machen.
2. Die Mikwe in Busenberg bei Dahn, Landkreis Südwestpfalz
Ein einmaliges Kulturdenkmal auf pfälzischem Boden ist die Mikwe in Busenberg. Sie steht in der Talstraße gegenüber der ehemaligen israelitischen Schule, heute Haus Nr. 8., und ist das einzige Mikwehäuschen der Pfalz. Das kleine Badehäuschen hat mehr als 150 Jahre überdauert und bösen Zeiten getrotzt. Solange es bestand, hatte es mit dem Überleben zu kämpfen. In einem Schreiben des königlichen Landkommissariats Pirmasens vom 17.11.1859 wird das Bürgermeisteramt Busenberg aufgefordert, das dortige Judenbad aus gesundheitlichen und Reinlichkeitsrücksichten polizeilich zu schließen. In einem ausführlichen Schriftverkehr mit dem königlichen Landkommissariat in Pirmasens zwischen 1864/1865 weist der Synagogenausschuss immer wieder daraufhin, dass die Verunreinigung der Mikwequelle von Dunggruben, Schweineställen und einem Abtritt, die sich rund um die Mikwe befänden und erst im Nachhinein errichtet wurden, herrühre. Diese Behauptung wurde durch ein neutrales Gutachten bestätigt. Wie der Streit ausging, ist aus der Aktenlage nicht ersichtlich. Die Zeit arbeitet gegen das Mikwehäuschen in der Talstraße, denn die Bausubstanz wird von Jahr zu Jahr sichtbar schwächer. Frau Rica Lakamp aus San Francisco (USA) ist bereit, zur Erhaltung der Mikwe einen großzügigen finanziellen Beitrag zu leisten. Das restaurierte Badehaus könnte durch seine zentrale Lage als Museum für die Geschichte der Juden im Wasgau dienen. Wiederhergestellt wäre das vom Verfall bedrohte Mikwehäuschen einerseits ein Zeugnis dafür, dass deutsch-jüdische Kulturgeschichte in unserer Heimat einmal möglich war, andererseits könnte es eine Attraktion für den Fremdenverkehr werden und für Menschen, die an der deutsch-jüdischen Kulturgeschichte interessiert sind. Denn in keiner pfälzischen Region sind auf so engem Raum Synagoge, israelitische Schule, Mikwe und jüdischer Friedhof erhalten wie in den Wasgaugemeinden Dahn und Busenberg.
3 . Die Dahner Synagoge, Landkreis Südwestpfalz

Die Dahner Synagoge in der Schäfergasse 8, ehemals Judengasse, versteckt zwischen Häusern und Holzschuppen, war im August 1938 noch rechtzeitig vom letzten Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde verkauft worden und ist als einzige im Wasgau erhalten geblieben. Nachdem die erste, um 1815 erbaute Dahner Synagoge baufällig geworden war, errichtete die jüdische Gemeinde 1871/72 an gleicher Stelle die heutige Synagoge. Der schlichte Bau ist aus Bruchsteinen errichtet. Die Außenmaße betragen 9,10 m in der Länge und 8,00 m in der Breite. Das Portal  und die Originaltüren in ihrer ursprünglichen Farbe sind vollständig erhalten. Der Grundriss der Dahner Synagoge ist, abgesehen vom Abriss der Apsis, von Veränderungen im Eingangsbereich und einem neuen Eingang vom Hofe her, unverändert geblieben. Die Frauen gingen durch die linke Portaltüre in eine Art Windfang aus Holz. Von hier aus gelangten sie über eine Holzstiege, die samt Geländer noch gut erhalten ist, auf die Frauenempore, die ca. 35 Sitzplätze aufweist. Durch die rechte Portaltüre betrat man die Männersynagoge, die ca. 60 Sitzplätze hatte. Links und rechts vom Mittelgang befanden sich Pulte. In einem abschließbaren Fach wurden
Machsor (Gebetbuch) und Talit (Gebetsmantel) aufbewahrt. Das Ende der Dahner Synagoge begann bereits 1936/37, als das Minjan, die für den Synagogengottesdienst geforderte Mindestzahl von zehn erwachsenen männlichen Juden, nicht mehr erbracht werden konnte. Schon zuvor haben nationalsozialistische Provokateure die Synagoge beschädigt und Gottesdienste gestört. Ein Glücksfall war es, dass der letzte Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Dahn, Josef Katz, die Synagoge mit Schule am 18.08.1938 noch rechtzeitig an den Schreinermeister Ludwig Flory aus Busenberg verkaufte, und dieser sie unverzüglich in eine Schreinerwerkstatt umbaute. Diesem Umstand und den eng angrenzenden Nachbarhäusern ist es zu verdanken, dass die Dahner Synagoge in der Reichspogromnacht vor der Zerstörung bewahrt wurde. Die florale Ausmalung der Synagoge und der Sternenhimmel an der Kassettendecke der Frauensynagoge, durch einen Kalkanstrich konserviert, dürften einmalig in der Pfalz sein und lohnen allemal einen Besuch. 

Führungen: Mehrmals im Jahr werden Führungen zum Thema „Juden im Wasgau“ angeboten. Nach einer Einführung in die Geschichte der Wasgaujuden geht es durch die Judengasse zur ehemaligen Dahner Synagoge und israelitischen Schule; von hier aus nach Busenberg zum Mikwehäuschen und zum jüdischen Friedhof. Die Führung dauert ca. zwei Stunden. (2001 über 300 Teilnehmer).
Vorträge: Es geschah am helllichten Tag - die Reichspogromnacht vor 60 Jahren in Dahn. Buchvorstellung Der jüdische Friedhof Busenberg. Rassenschande im Dritten Reich. Die Deportation der pfälzischen Juden nach Gurs vor 60 Jahren. Zwangssterilisation und Euthanasie im Dritten Reich. Vergessene Opfer des NS-Regimes. Was glauben Juden - Wie leben Juden?. Leben zwischen Grenzen - eine christliche Palästinenserin berichtet. Juden in Deutschland nach 1945. Die Wurzeln des Antisemitismus im Christentum. (Jeder Vortrag wurde von ca. 100 Teilnehmern besucht).
Ausstellungen: Schicksale Dahner Juden. Aus der Geschichte der Pirmasenser Juden. Die Deportation von 45 Dahner Bürgern im April 1945 nach Poitiers. Der jüdische Friedhof Busenberg. Rassenschande im Dritten Reich. Tausend Jahre Antijudaismus in der Geschichte der Kirche. Die Synagogen der Südwestpfalz - Zeugnisse einer vernichteten Minderheit.Vorträge und Ausstellungen sind Veranstaltungen des Landkreises Südwestpfalz. Sie finden fast jedes Jahr am 9. November in der Kreisgalerie Dahn statt.
Veröffentlichungen: In der regionalen Presse (Rheinpfalz / PR und Pirmasenser Zeitung), aber auch in der überregionalen Presse und in Fachzeitschriften werden seit über zehn Jahren Artikel und Serien veröffentlicht: Ehemalige jüdische Mitbürger zu Besuch. Landjudentum im Wasgau. Schächten - Metzger - Koschern. Das Schicksal der Familie Karl-Heinz Levy. 27. Januar - Gedenktag an die Opfer des NS. Tag der offenen Tür zur Entdeckung des Judentums im Wasgau. Nicht einmal die Toten läßt man in Ruhe - die Schändungen des jüdischen Friedhofs Busenberg. Die Reichspogromnacht in Dahn. Die Busenberger Mikwe. Pirmasenser Juden. Judentümer in der Südwestpfalz. Projektwoche - mit Schülern auf dem jüdischen Friedhof Busenberg. Die Deportation der Dahner Familien Julius Levy und Josef Katz nach Gurs. Rechtsradikale erkennt man nicht am Äußeren an ihren Köpfen, sondern an dem Gedankengut in ihren Köpfen. Karl Heinz Levy aus New York zu Besuch in Dahn - Endlich wieder de häm. Zwangsarbeiter im Wasgau. Der Fall Ruth Wegmann - Ein Jahr Zuchthaus für eine Orange. Wegen Rassenschande im Bundenthaler Wald erhängt. Einer hat überlebt - Anatoli Ivanov. Das Kriegsgefangenenlager 1502 in Dahn. Standhaft trotz Verfolgung - Die Zeugen Jehovas unter dem NS-Regime.
O. Weber: Die Dahner Synagoge (Broschüre 1993).
B. Kukatzki: Jüdisches Leben in Erlenbach bei Dahn (Broschüre 1993). Jüdische Spuren in unserer Region (Schülerwettbewerb 1996).
O. Weber: Der jüdische Friedhof Busenberg (Buch 1998).
Chr. Schwarz: Spuren jüdischen Lebens im Kreis Südwestpfalz (Wissenschaftliche Prüfungsarbeit 1998).

Kontakt/Information:
Arbeitskreis Judentum im Wasgau
Elisabeth & Otmar Weber
Schillerstr. 10 b
66994 Dahn
Tel 06391 – 2331
Fax 06391 - 99 32 87
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.


Judentum im Wasgau - von Otmar Weber


Über zweihundert Jahre haben Juden kulturell, politisch und ökonomisch unsere Region geprägt. Ab 1933 wurden alle Juden aus ihrer Heimat verjagt und viele ermordet. Fast nichts mehr erinnert an sie. Sie sollen nicht vergessen werden. Einen Holocaust darf es nie wieder geben. Deshalb setzen wir uns seit über zehn Jahren für die Erhaltung der Judentümer im Wasgau ein.
Im Wasgau gab es nachweislich seit dem 18. Jahrhundert vier jüdische Gemeinden: Busenberg – Dahn - Erlenbach - Vorderweidenthal.
In jeder dieser vier Gemeinden befanden sich eine Synagoge, eine israelitische Schule und eine Mikwe (rituelles Reinigungsbad).
Der jüdische Friedhof, ein Verbandsfriedhof, lässt sich seit 1824 in Busenberg nachweisen. Für die älteste und größte jüdische Gemeinde Busenberg wird schon um 1750 eine Synagoge erwähnt. Die Erlenbacher Synagoge wurde 1842 errichtet. Die erste Dahner Synagoge, um 1820 erbaut, wurde 1872/1873 durch eine neue ersetzt, die heute noch in ihrer Substanz als einzige im Wasgau erhalten ist.
In Dahn lebten 1784 zweiundvierzig (42) Juden, 1802 zweiundsiebzig (72) Juden, 1836 einhundertunddrei (103) Juden, 1875 fünfundachtzig (85) Juden, 1900 dreiundachtzig (83) Juden, 1910 fünfundsiebzig (75) Juden, 1925 siebzig (70) Juden, 1936 neunundzwanzig (29) Juden, 1939 sieben (7) Juden.
Die bekanntesten jüdischen Familiennamen waren: Blum, Halfen, Josef, Katz, Kullmann, Levy, Oppenheimer, Rosenstiel, Samuel und Siegel.
Die meisten Juden waren im Vieh-, Eisen-, Stoff- und Textilhandel tätig.
Der jüdische Arzt Dr. Willi Katz aus Dahn genießt noch heute einen legendären Ruf.
Während der NS-Zeit sind die Juden aus dem Wasgau in folgende Länder emigriert: Argentinien, Brasilien, Frankreich, Israel, Schweiz; die meisten fanden in den USA eine neue Heimat. Drei Juden haben während der NS-Zeit in privilegierter Ehe (Privilegierte Ehe war die NS-Formulierung für eine Ehe, in der ein Jude mit einem Arier verheiratet war.)  in Deutschland überlebt.
Heute leben im Wasgau keine Juden mehr.
Das pfälzische Landjudentum wurde durch die Nationalsozialisten ausgelöscht.
Einundzwanzig (21) Juden aus Dahn, zwanzig (20) Juden aus Busenberg und sechs (6) Juden aus Erlenbach wurden Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns.(Diese Zahlen, vom Verfasser recherchiert, sind noch keine endgültige Zahlen.)
Etwa zehn (10) im Wasgau geborene Juden leben heute noch; die meisten von ihnen in den USA.
1. Die Dahner Synagoge1, Landkreis Südwestpfalz

(Synagoge: Definition der Synagoge nach religiösem Verständnis:Als Synagoge im weitesten Sinne gilt jeder Raum, der die Torarollen enthält, in dem man sich versammelt, lehrt und betet. Diese weitgefasste Definition macht sich auch der Verfasser zu eigen, wenn von Betstube, Betsaal, Synagoge oder Judenschule die Rede ist.)
Die Dahner Synagoge in der Schäfergasse 8, ehemals Judengasse, versteckt zwischen Häusern und Holzschuppen, war im August 1938 noch rechtzeitig vom letzten Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde verkauft worden und ist als einzige im Wasgau erhalten geblieben. Nachdem die erste Dahner Synagoge, um 1815 erbaut, baufällig geworden war, errichtete die jüdische Gemeinde 1871/72 an gleicher Stelle die heutige Synagoge. Der schlichte Bau ist aus Bruchsteinen errichtet. Die Außenmasse betragen 9,10 m in der Länge und 8,00 m in der Breite. Das Portal  und die Originaltüren in ihrer ursprünglichen Farbe sind vollständig erhalten. Der Grundriss der Dahner Synagoge ist, abgesehen vom Abriss der Apsis, von Veränderungen im Eingangsbereich und einem neuen Eingang vom Hofe her, unverändert geblieben. Die Frauen gingen durch die linke Portaltüre in eine Art Windfang aus Holz. Von hier aus gelangten sie über eine Holzstiege, die samt Geländer noch gut erhalten ist, auf die Frauenempore, die ca. 35 Sitzplätze aufweist. Durch die rechte Portaltüre betrat man die Männersynagoge, die ca. 60 Sitzplätze hatte. Links und rechts vom Mittelgang befanden sich Pulte. In einem abschließbaren Fach wurden Machsor (Gebetbuch) und Talit (Gebetsmantel) aufbewahrt. Das Ende der Dahner Synagoge begann bereits 1936/37, als das Minjan (Minjan: Um einen öffentlichen Gottesdienst feiern zu können, müssen mindestens zehn männliche Personen, die über dreizehn Jahre alt sind, anwesend sein.), die für den Synagogengottesdienst geforderte Mindestzahl von zehn erwachsenen männlichen Juden, nicht mehr erbracht werden konnte. Schon zuvor haben nationalsozialistische Provokateure die Synagoge beschädigt und Gottesdienste gestört. Ein Glücksfall war es, daß der letzte Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Dahn, Josef Katz, die Synagoge mit Schule am 18.08.1938 noch rechtzeitig an den Schreinermeister Ludwig Flory aus Busenberg verkaufte, und dieser sie unverzüglich in eine Schreinerwerkstatt umbaute. Diesem Umstand und den eng angrenzenden Nachbarhäusern ist es zu verdanken, daß die Dahner Synagoge in der Reichspogromnacht vor der Zerstörung bewahrt wurde. Die florale Ausmalung der Synagoge und der Sternenhimmel an der Kassettendecke der Frauensynagoge, durch einen Kalkanstrich konserviert, dürften einmalig in der Pfalz sein und lohnen allemal einen Besuch
2. Die Mikwe in Busenberg bei Dahn, Landkreis Südwestpfalz

(Mikwe: Unter Mikwe versteht man ein rituelles Tauchbad bzw. Ritualbad. Das 3. Buch Mose nennt zwei Typen natürlichen Gewässers, die Dinge und Menschen wieder rein machen: die lebendig fließende Quelle (ma’jan) und ein Becken mit stehendem Grund- oder Regenwasser, eine mikwa.)
Ein einmaliges Kulturdenkmal auf pfälzischem Boden ist die Mikwe in Busenberg. Sie steht in der Talstraße gegenüber der ehemaligen israelitischen Schule, heute Haus Nr. 8., und ist das einzige Mikwehäuschen der Pfalz. Das kleine Badehäuschen hat mehr als 150 Jahre überdauert und bösen Zeiten getrotzt. Solange es bestand, hatte es mit dem Überleben zu kämpfen. In einem Schreiben des königlichen Landkommissariats Pirmasens vom 17.11.1859 wird das Bürgermeisteramt Busenberg aufgefordert, das dortige Judenbad aus gesundheitlichen Gründen polizeilich zu schließen. In einem ausführlichen Schriftverkehr mit dem königlichen Landkommissariat in Pirmasens zwischen 1864/1865 weist der Synagogenausschuss immer wieder daraufhin, dass die Verunreinigung der Mikwequelle von einem Abtritt, Dunggruben und Schweineställen herrühre, die sich rund um die Mikwe befänden und erst imNachhinein errichtet wurden.
Diese Behauptung wurde durch ein neutrales Gutachten bestätigt. Wie der Streit ausging, ist aus der Aktenlage nicht ersichtlich. (Ella Lemberger, geb. Levy, bestätigte dem Verfasser, dass die Mutter ihres Vaters, die in Busenberg in der Kirchgasse Nr. 4 gewohnt hat, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts noch die Busenberger Mikwe aufgesucht hat.) Die Zeit arbeitet gegen das Mikwehäuschen in der Talstraße, denn die Bausubstanz wird von Jahr zu Jahr sichtbar schwächer. Frau Rica Lakamp aus San Francisco (USA) ist bereit, zur Erhaltung der Mikwe einen großzügigen finanziellen Beitrag zu leisten. Das restaurierte Badehaus könnte durch seine zentrale Lage als Museum für die Geschichte der Juden im Wasgau dienen. Wiederhergestellt, wäre das vom Verfall bedrohte Mikwehäuschen einerseits ein Zeugnis dafür, daß deutsch-jüdische Kulturgeschichte in unserer Heimat einmal möglich war, andererseits könnte es eine Attraktion für den Fremdenverkehr werden und für Menschen, die an der deutsch-jüdischen Kulturgeschichte interessiert sind. Denn in keiner pfälzischen Region sind auf so engem Raum Synagoge, israelitische Schule, Mikwe und jüdischer Friedhof erhalten wie in den Wasgaugemeinden Dahn und Busenberg.
3. Busenberg: Jüdischer Friedhof Busenberg bei Dahn, Landkreis Südwestpfalz
Die zentrale Begräbnisstätte der Juden im Wasgau liegt auf der Busenberger Gemarkung bei der Lehmgrube an der B 427 in Richtung Bad Bergzabern. Über 150 Jahre diente der Friedhof der Beerdigung jüdischer Toter aus den vier Wasgaudörfern Busenberg, Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal, zum letzten Mal 1979. Heute ist er ein steinernes Zeugnis des vernichteten pfälzischen Landjudentums. Der Jude Benjamin Lefy hat am 27. März 1824 den Judenkirchhof von Josef Barthole gekauft. Damals hatte der Friedhof mit Zufahrt eine Fläche von insgesamt 1.866 qm. Heute hat er eine Fläche von
2.580 qm. Der Friedhof ist harmonisch in die Wasgaulandschaft eingebettet und wird von einer Hainbuchenhecke umgeben. Baumgruppen beschatten noch 285 Grabsteine, die in 25 Reihen museal aufgestellt sind. Die Ruhe der hier Bestatteten wurde immer wieder gestört. Im Sommer 1938 wurden fast alle Grabsteine umgeworfen und viele zerstört. In den Jahren 1978, 1994 und 1997 folgten drei weitere schwere Schändungen durch Neonazis. Grabsteine wurden umgeworfen, zerstört und mit NS-Parolen besprüht. Die Gemeinde Busenberg hat nach den Schändungen immer wieder mitgeholfen, dem Friedhof eine würdige Form zu geben. Eine erste umfassende Renovierung im neuen Teil hat 1955 stattgefunden. Im Jahre 1972 wurden auf dem neuen Teil alle Grabsteinfassungen entfernt und eine Rasenfläche angelegt. 1981 entfernte man die noch vorhandenen Grabsteinfassungen und Sockel auch im alten Teil, um eine leichtere Pflege zu erreichen. Der Gang über den jüdischen Friedhof Busenberg dient nicht nur der Betrachtung und Besinnung, sondern ist zugleich auch ein Gang durch die Kunstgeschichte und die verschiedenen Architekturstile. Die Steine des frühen 19. Jahrhunderts im alten oberen Teil sind noch ganz der Tradition einer einfachen und schlichten Grabsteingestaltung verhaftet. Wir finden aber auch hervorragende Steinmetzarbeiten in biedermeierlicher, klassizistischer oder neoorientalischer Ausprägung. An vielen Grabsteinen sind heute noch die Signaturen der Steinmetze Würschmitt und Sanwald aus der Bergzaberner Bildhauerschule zu finden. Ein Besuch des jüdischen Friedhofs ist nicht nur für Schulklassen und Jugendgruppen, sondern in erster Linie für Erwachsene eine gute Möglichkeit, den tabuisierten Teil unserer Heimatgeschichte anschaulich, erfahrbar und erlebbar zu machen.
Ein Auszug der Veröffentlichungen und Tätigkeiten
von Otmar Weber:


Bisher veröffentlichte Bücher:
Weber, Otmar, Wie eine weiße Lilie in ihrer ersten Blüte... Der jüdische Friedhof Busenberg, Dahn 1998. Buchvorstellung.
Juden in Pirmasens. Spuren ihrer Geschichte. Im Auftrag der Stadt Pirmasens. Pirmasens 2004.
(Hier hat O. Weber als Mitautor mitgewirkt). Buchvorstellung.
Weber, Otmar, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute – Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz. Dahn 2005. Buchvorstellung
Broschüren:
Bernhard Kukatzki, Jüdisches Leben in Erlenbach bei Dahn. Eine Broschüre. Schifferstadt 1993. (Hierzu hat O. Weber Materialien und Informationen geliefert)
Otmar Weber, Die Dahner Synagoge. Eine Broschüre. Dahn 1993.
Jüdische Spuren in unserer Region. Ein Schülerwettbewerb am Leibniz-Gymnasium Pirmasens. Pirmasens 1996.
Unter Beratung und Mitwirkung von O. Weber). Die Arbeit wurde mit einem Preis ausgezeichnet.
Christian Schwarz, Spuren jüdischen Lebens im Kreis Südwestpfalz. Eine wissenschaftliche Prüfungsarbeit an der UNI Landau.
Landau 1998. (Unter Beratung von O. Weber)
Otmar Weber, Judentum im Wasgau. Ein weitere Beitrag zur Geschichte der Juden im Wasgau. März 2006


Veröffentlichungen in der Presse:

In der regionalen Presse (Rheinpfalz/Pirmasenser Rundschau und Pirmasenser Zeitung) sowie in der überregionalen Presse und Fachzeitschriften werden seit den 1988er Jahre Artikel und Serien veröffentlicht.

Hier nur ein Auszug der wichtigsten Artikel von 1993 bis 2005:
1993: Die Dahner Synagoge - ein erhaltenswertes jüdisches Kulturdenkmal im Wasgau. Pj., PZ, Dahn aktuell.
1994: Es is doch so schää im Dahner Wald. Selbstverfasstes Mundartgedicht von K.-H. Levy
1994: Landjudentum im Wasgau, Schächten, Metzger, RPF, RHEINPFALZ-FEUILLETON/Ludwigshafen.
          Artikel: Landjuden im Wasgau. Schächter und jüdische Metzger in Dahn. 02.11.1994; gekürzte Fassung
1994: Schändung am 27.11.1994, RPF, (Novemberverbrecher) RPF Mein Pressekommentar.
1995: 50 Jahre Befreiung Auschwitz, H. Levy, 27. Jan. 1945, Heimatkalender. Mai, RPF; Heimatkalender
1995 Thema: Das Landjudentum im Wasgau. Schächter und jüdische Metzger in Dahn. Beitrag für HEIMATKALENDER 1996
1997: Schändungen am 27.11.1994 u. 08.05.1997.
          Die Geschichte des jüdischen Friedhofs Busenberg ist zugleich die Geschichte seiner Schändungen. RPF
1997: Lore und Gertrud zu Besuch in Dahn, RPF
1997: Henry Still: Rettung durch Marechal Petain, RPF
1998: Der 27. Januar - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Ein unbekannter und unbequemer Gedenktag
1999: Artikel für Kuby: 1. Busenberg, 2. Dahn, 3. Herschberg. Kaiserslautern.
2001: Die Busenberger Mikwe (Ritualbad) Samstagsseite, (Rica Lakamp) RPF
2001: Erhaltung der Judentümer im Wasgau - Eine Aufgabe des Arbeitskreises „Judentum im Wasgau“.
          „Publikation zur Landesarbeitsgemeinschaft. Gedenkstätten in Rheinland-Pfalz“. Synagoge, Friedhof Mikwe in Dahn/Busenberg. Mainz.
2001: Die Dahner Synagoge - Die Mikwe und der jüdische Friedhof in Busenberg.
          Eine Einführung für Besucher in die Judentümer des Wasgaus von Otmar Weber, Dahn 2002.
2002: Heimatbrief für das Jahr 2001, Dezember 2001 (Bambey), ALLE
2002: 27. Januar - Ein unbekannter und unbequemer Gedenktag, ALLE
2002: 27. Januar - Das Schicksal jüd. Familien in Pirmasens (Süsser/Slodki), RPF
2003: 2002 EUROPÄISCHER TAG DER JÜDISCHEN KULTUR. Am 07.09.2003 wird in ganz Europa
          DER EUROPÄISCHE TAG DER JÜDISCHEN KULTUR - ein Tag der offenen Tür zur Entdeckung des Judentums - begangen. RPF.
2004: Otmar Weber referiert über das Thema: Arisierung - Der legalisierte Raub - Die Enteignung der Juden am Beispiel der Stadt Pirmasens
2005: 04. September 2005 EUROPÄISCHER TAG DER JÜDISCHEN KULTUR

In Dahn und Busenberg, wo dieser Tag schon eine zehnjährige Tradition hat, bietet Otmar Weber zwei Führungen mit Vorträgen an. Termin: Sonntag, 04.09.2005. Treffpunkt: Kath. Kirche in Dahn (Ortsmitte). Führungen: 10.00 Uhr und 14.00 Uhr. Dauer: ca. 3 Stunden für das Gesamtprogramm. Orte: Die Synagoge in Dahn, das Mikwehäuschen und der jüdische Friedhof in Busenberg.

Weitere Zeitungsartikel ohne Erscheinungsjahr
Ehemalige jüdische Mitbürger zu Besuch
Landjudentum im Wasgau, RPF
Schächten  -  Metzger  -  Koschern, RPF
Das Schicksal der Familie Karl-Heinz Levy, RPF
27. Januar  - Gedenktag an die Opfer des NS.
Nicht einmal die Toten lässt man in Ruhe. Die Schändungen des jüdischen Friedhofs Busenberg, RPF
Die Reichspogromnacht in Dahn, Serie, RPF
Die Busenberger Mikwe, RPF
Pirmasenser Juden, RPF/PZ
Judentümer in der Südwestpfalz, RPF
Projektwoche - mit Schülern auf dem jüdischen Friedhof Busenberg, RPF
Die Deportation der Dahner Familien Julius Levy und Josef Katz nach Gurs, RPF
Karl Heinz Levy aus New York zu Besuch in Dahn. Endlich wieder de häm, RPF
Rechtsradikale erkennt man nicht am Äußeren an ihren Köpfen, sondern an dem Gedankengut in ihren Köpfen, Leibniz-Gymnasium Pirmasens, RPF
Zwangsarbeiter im Wasgau, 16-teilige Serie, RPF
Der Fall Ruth Wegmann. Ein Jahr Zuchthaus für eine Orange, RPF
Wegen Rassenschande im Bundenthaler Wald erhängt, RPF
Einer hat überlebt. Anatoli Ivanov. Als Zwangsarbeiter in Deutschland, RPF
Das Kriegsgefangenenlager 1502 in Dahn, RPF
Standhaft trotz Verfolgung. Die Zeugen Jehovas unter dem NS-Regime, RPF
Führungen:

Mehrmals im Jahr werden Führungen zum Thema „Juden im Wasgau“ angeboten. Nach einer Einführung in die Geschichte der Wasgaujuden geht es durch die Judengasse zur ehemaligen Dahner Synagoge und israelitischen Schule; von hier aus mit dem Auto nach Busenberg zum Mikwehäuschen und zum jüdischen Friedhof. Die Führung dauert ca. drei Stunden. Besonders am EUROPÄISCHEN TAG DER JÜDISCHEN KULTUR alljährlich im September wird von diesem Angebot rege Gebrauch gemacht. Auch in Pirmasens wurden regelmäßig Stadtführungen zu den jüdischen Stätten durchgeführt.

Vorträge/Referate und Ausstellungen:
Dahner Juden von 1755 –1985. Vortrag 1988
Schicksale Dahner Juden. Vortrag 1989
Was glauben Juden - Wie leben Juden? Referat 1990/1991
Das Sabbatgebot. Referat 1990/1991
Jüdische Feste. Referat 1990/1991
Wer ist schuld am Tode Jesu? Referat 1992ff.
Die Wurzeln des Antisemitismus im Christentum. Referat 1992ff.
Das KZ Natzweiler im Elsaß. Projekt
Die Deportation von 45 Dahner Bürgern im April 1945 nach Portiers. Vortrag und Ausstellung vom 19.11. bis 30.11.1995 in der Kreisgalerie Dahn.
Der jüdische Friedhof Busenberg. Vortrag 1996
„Wie eine weiße Lilie in ihrer ersten Blüte...“ Ausstellung von O. Weber über den jüdischen Friedhof Busenberg
vom 24.11. bis 08.12.1996 in der Kreisgalerie Dahn.
Es geschah am helllichten Tag... Die Reichspogromnacht vor 60 Jahren in Dahn an Hand von Akten und Zeitzeugen (09. November 1998).
Vortrag.
Rassenschande im Dritten Reich. Eine Zeugin berichtet (09. November 1999)
Die Deportation der pfälzischen Juden nach Gurs/Südfrankreich vor 60 Jahren (22. Oktober 2000) Vortrag.
Zwangssterilisation und Euthanasie im Dritten Reich. Vortrag und Ausstellung (09. November 2000)
Aus der Geschichte der Pirmasenser Juden. Vortrag.
Juden in der Pfalz. Referat 2000ff
Juden in Deutschland nach 1945. Referat 2000ff
Leben zwischen Grenzen - eine christliche Palästinenserin berichtet (2001)
Jüdische Spuren in unserer Region. Referat 2001ff
Die Synagogen in der Südwestpfalz. Vortrag und Ausstellung (09. November 2002)
Die Zeugen Jehovas. Vergessene Opfer des NS-Regimes. Referat
Arisierung. Der legalisierte Raub. Die Enteignung der Juden am Beispiel der Stadt Pirmasens (09. November 2003)
Die Pirmasenser Synagoge. Vortrag 2003.
Schicksale jüdischen Familien aus Pirmasens: Familie Slodki – Familie Süßer/ Ölbaum – Dr. Fauth
Juden – Palästinenser – Christen (09. November 2004). Vortrag.
Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute (März/Mai 2005)

Seit über zehn Jahre finden am 9. November in der Kreisgalerie Dahn Referate/Vorträge und Ausstellungen zu sogenannten Tabuthemen statt.
In diesem Jahr wird am 9. November ein Vortrag über das Schicksal der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus angeboten, verbunden mit einer Ausstellung (09. November 2005)
Vorträge an Schulen und Institutionen bei Parteien und Vereinen:
Vorträge zum Thema Juden in unserer Region werden an den verschiedenen Schultypen und bei Organisationen und Vereinen gehalten.
Beiträge in Rundfunk und Fernsehen:
Sowohl im SRF als auch im Dritten Fernsehprogramm wurde mehrfach über die Juden im Wasgau mit Schwerpunkt Dahner Synagoge und jüdischer Friedhof Busenberg berichtet.
Heimattreffen:
Auf Initiative und unter aktiver Mitwirkung von Otmar Weber hat die Stadt Dahn 1991 alle noch lebenden ehemaligen jüdischen Mitbürger zu einem 10-tägigen Heimattreffen nach Dahn eingeladen.
Auf Initiative und unter aktiver Mitwirkung von Otmar Weber wurden die ehemaligen Erlenbacher Juden Ruth Fensterman, geb. Levy, mit ihrem Mann Stanley 1996 zu einem Heimattreffen nach Erlenbach eingeladen. Nach einem Aufruf in den Medien ermöglichten Spendengelder aus der ganzen Pfalz dieses Heimattreffen.
Heimatbrief:
Seit über zehn Jahren erhalten die ehemaligen jüdischen Mitbürger aus dem Wasgau in aller Welt den Heimatbrief des Verbandsbürgermeisters mit einem kleinen Geschenk und einem ausführlichen Pressespiegel von Otmar Weber.
Spurensuche:
Seit dem Heimattreffen 1991 besuchen ehemalige jüdische Mitbürger, Nachkommen oder Freunde aus den USA, aus Israel, Frankreich und Deutschland auf Spurensuche ihrer Vorfahren den Wasgau.
Das Haus Weber, in der Regel die Anlaufstelle, steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite