1938

 

12. März

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„Anschluss Österreichs“: Nach einem Ultimatum marschieren deutsche Truppen unter Jubel in Österreich ein.
 

Frühjahr

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Im ganzen Reichsgebiet gibt es Einschüchterungs- und Terroraktionen von NSDAP und SA gegen Juden (“Juden raus aus der Wirtschaft“).
 

Mitte Juni

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Aktion „Arbeitsscheu Reich“ (“Juni-Aktion“): Die Gestapo nimmt schlagartig Tausende von angeblich „Asozialen“ und ca. 1.500 Juden fest und weist sie in Konzentrationslager ein.
Baubeginn des 630 Kilometer langen Westwalls durch den Reichsarbeitsdienst und die neu gegründete Organisation Todt (OT).

 

05. August

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„Zigeunerschub von der Westgrenze“.
 

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Erste Verschleppung von Sinti und Schaustellern aus Koblenz nach Mitteldeutschland; da die Aktion unkoordiniert ist, werden die lokalen Stellen bald angewiesen, die Verschleppten bald wieder zurückkehren zu lassen. Unter den Verschleppten ist die Familie Karl Reinhardt. 
( s.a Daweli Reinhardt und Michael Böhmer, geb. Reinhardt).
 

17. August

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Alle Juden müssen (ab dem 1. Januar 1939) den zusätzlichen Vornamen „Sara“ bzw. „Israel“ annehmen.
 

27. September

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Auch den letzten Juden wird die Zulassung als Rechtsanwalt zum 30. November entzogen. Vereinzelt werden sie als „jüdische Konsulenten“ zur außergerichtlichen Rechtsberatung und Vertretung von Juden zugelassen.
 

Ko


In Koblenz und Umgebung dürfen nur noch zwei „jüdische Konsulenten“ tätig sein: die früheren Rechtsanwälte Dr. Isidor Treidel und Dr. Artur Salomon.
 

September

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„Sudetenkrise“: Sie wird beendet mit dem „Münchner Abkommen“ vom 30. September 1938 (Abtretung des Sudetengebietes an Deutschland).
 

1. Oktober

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Deutsche Truppen besetzen das Sudetenland.
 

02. Oktober

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In einer Rede, die über ein Netz von 60 Radiostationen übertragen wird, verurteilt J.F. Rutherford, der Präsident der Watch Tower Society (Zeugen Jehovas), die Verfolgung der Juden die Nazi-Deutschland.
 

26. – 28. Oktober

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Ausweisung von 17.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus dem Deutschen Reich und Transport an die deutsch-polnische Grenze.
 

07. November

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Attentat des 17-jährigen Herschel Grynszpan in Paris: Grynszpan, ein staatenloser Jude polnischer Abstammung, verübt aus Protest gegen die Zwangabschiebung seiner Familie aus Deutschland nach Polen ein Attentat auf den deutschen Botschaftsangehörigen vom Rath.
 

9./10.November

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„Reichskristallnacht“ der Nazis: Gelenkte Aktion zur Zerstörung von Synagogen und jüdischen Geschäften; bei diesem Pogrom (deshalb heutige Bezeichnung oft „Reichspogromnacht“) werden ca. 100 Menschen ermordet.
 

Ko


In Koblenz - wie auch in vielen Orten der Umgebung - wird das Innere der Synagoge verwüstet und Geschäfte und Wohnungen jüdischer Mitbürger werden demoliert. Drangsaliert werden u.a. die Eheleute Isidor und Erna Treidel und Mitglieder der Juristenfamilie Brasch. 
 

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Ca. 35.000 jüdische Männer, vor allem wohlhabende, werden verhaftet und die meisten von ihnen werden in die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald verschleppt. Nach einigen Wochen kommen sie gegen die Erklärung, umgehend auszuwandern, wieder frei.
 

Ko


Aus Koblenz wird u.a. der Rechtsanwalt Dr. Arthur Salomon verschleppt Ein anderer Verschleppter ist der inzwischen nach Frankfurt/Main verzogene Ernst Brasch.
 

Tr


Im Zuge der Pogrome in Trier werden mehr als 100 jüdische Männer verhaftet und ins Gefängnis gebracht, die Synagoge wird geplündert und als Gotteshaus zerstört, 23 von 24 Tora-Rollen werden verbrannt.
 

12. November

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Unter Federführung von Göring ergehen drei Verordnungen. Durch diese müssen die deutschen Juden die durch die Novemberpogrome verursachten Schäden auf eigene Kosten selbst beseitigen und sie werden wegen der Tat Grynszpans zu einer „Sühneleistung“ in Höhe von 1 Milliarde Reichsmark verpflichtet; außerdem werden durch die Zwangs“arisierungen“ jüdischer Betriebe die Juden „aus der deutschen Wirtschaft ausgeschaltet“.
 

13. November

Tr


Der Pfarrer der kleinen evangelischen Bekennenden Gemeinde in Trier, Klaus Lohmann, nimmt in seiner Predigt öffentlich Stellung für die Juden und wird bei der Gestapo denunziert. Erst seine freiwillige Meldung zur Front im September 1939 schützt ihn vor den gegen ihn angestrengten Verfahren.
 

15. November

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Alle jüdischen Kinder werden von öffentlichen Schulen verwiesen.
 

Ko


Betroffen von diesem Verbot ist in Koblenz u.a. Hannelore Hermann.
 

8. Dezember

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Runderlass Himmlers zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“; er ordnet u.a. die systematische Erfassung und erkennungsdienstliche Behandlung aller „Zigeuner“ im Reichsgebiet an.
 

 

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